Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl! Ein Interview mit Mauritia Freifrau von Ulm-Erbach, Dreifach-Mama und Working Mum in der Landwirtschaft

Mauritia Ulm-Erbach Barones de Ulm

Zeit für einen Cappu Talk. Besser gesagt Öl-Talk, denn dieses Interview entstand spontan bei einer Olivenöl Verkostung in der Münchner Wohnung von Mauritia Freifrau von Ulm-Erbach. Mauritia ist Dreifach-Mama, Unternehmerin und Olivenöl Expertin. Ist die sympathische Working Mum nicht mit ihren Kindern auf den Spielplätzen in unserer Ecke anzutreffen, verweilt sie mit ihrer Familie in der Provinz Jaén in Südspanien. Hier leitet sie seit zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Vater den eigenen Betrieb Gut Cortijo de Arévalo.

Frauen in der Landwirtschaft. Mauritias Olivenöl Gut Cortijo dé Arevalo

Das Gut Cortijo de Arévalo in Andalusien hat ihr Vater – damals Land- und Forstwirt in Ulm – während seiner Ausbildung kennen gelernt und vor 40 Jahren aus Liebe und Leidenschaft gekauft. Auf dem Gut werden in Spaniens Hitze seit dem 18. Jahrhundert Oliven angebaut und heute Mauritias Olivenöl „Baronesa de Ulm“ gewonnen. Verkauft wird hauptsächlich an den Großhandel in Europa. Abgefülltes Olivenöl für unsere leckeren Speisen gibt es jetzt auch in Deutschland. Zum Glück, denn das Öl schmeckt köstlich, sehr besonders und ist mit einer feinen, würzigen Note versehen.

Olivenöl Verkostung mit Mauritia Ulm-Erbach

Die Öl Verkostung bei Mauritia war faszinierend und ihre Geschichten über Oliven, Olivenhaine, gute und schlechte Ernten sowie der Bedeutung von Wasser so fesselnd, dass wir spontan ein Interview geführt haben.

Im Interview nimmt uns Mauritia mit hinter die Kulissen und erzählt, wie es ist, als Frau in der Landwirtschaft zu arbeiten. Spricht über Oliven, die Ernte, die Pendeleit mit drei Kindern zwischen München und Andalusien und gibt tolle Tipps, woran wir gesundes Olivenöl erkennen. Viel Spaß! Und pssst: Traditionelle, andalusische Beauty-Tipps für Haut und Haare findet ihr exklusiv am Ende des Interviews.

Liebe Mauritia, du bist mit nicht einmal 30 Jahren in euren Familienbetrieb in Andalusien eingestiegen. Was hat dich dazu bewogen als junge Frau in die „Pampa“ in Andalusien zu gehen?

Das war nicht ganz der Plan! Ich habe ursprünglich BWL und VWL in Regensburg studiert, anschließend eineinhalb Jahre in Madrid gelebt und gearbeitet. Ich bin das jüngste Kind und zu der Zeit musste sich jemand Kümmern. Mein Vater sagte damals zu mir: jetzt mach das doch. Und ich habe es gemacht. So bin ich drei Jahre zwischen Madrid und unserem Betrieb gependelt und habe in der Zeit gelernt, wie es läuft. Bis zur Geburt meiner ersten Tochter war ich fast täglich dort und das war auch wichtig, um die Menschen und das Geschäft zu verstehen.

Wie ist es als Frau in der Landwirtschaft in der Provinz?

Damals war ich nicht mal 30 und alle Angestellten und Nachbarn waren Männer. Das war nicht leicht. Hier lebe ich unter Männern und im Radius von 15 Kilometern gibt es nicht eine Ortschaft.

Heute komme ich mit den Nachbarn – den anderen Landwirten – zusammen, wenn ich da bin und habe vor einem Jahr einen „Round Table“ ins Leben gerufen. Das lieben die Männer, mussten aber aus erst einmal warm werden. Sie sind wirklich Feuer und Flamme dafür. Dann sprechen wir über Tendenzen im Olivenanbau, über die kommende Ernte, über den Markt und tauschen uns aus. Das ist für uns alle eine wirklich tolle Art Up to date mit unseren Olivenbetrieben zu bleiben.

Frauen in der Landwirtschaft. Mauritias Olivenöl Gut Cortijo dé Arevalo

Mit deiner Familie lebst du fest in München. Wie organisierst du Kinder und Karriere?

Wir haben in Andalusien ein Team vor Ort und ich pendle alle zwei Monate mit meinen Kindern hin und her. Noch habe ich keine Schulkinder. Die Kinder haben da ein zweites Zuhause, das finde ich sehr schön.

Zwischen den Reisen arbeite ich von München aus. Ich telefoniere täglich mit unserem Team um zu sehen wie es in Andalusien läuft und alles was Administration angeht (Behörden, Steuerberater und natürlich den Verkauf des Olivenöls) kann ich dank Telefon und Internet von hier aus regeln.

Und wie ist das Leben in Andalusien mit Kindern?

Das ist ein ganz anderes Leben als hier. Ein ganz anderer Rhythmus! Man genießt es richtig. Auf dem Gut haben wir eigenes Wasser und eigenen Strom. Wir sind Selbstversorger! Da keine Orte in der Nähe sind und es somit keine Straßenlampen gibt ist der Sternenhimmel einzigartig. Auch die Geräusche der vielen Vögel und Krillen sind wunderschön.

Man lernt alltägliche Dinge auch viel mehr zu schätzen.

Das ist reinigend und bringt Ruhe und Erdverbundenheit. Man lernt alltägliche Dinge auch viel mehr zu schätzen. So wie unser Wasser.

Alles aus unseren Wasserhähnen in Deutschland ist Trinkwasser! Das gibt es in Andalusien gar nicht. Da unten herrscht Wasserknappheit. Wasser ist entscheidend, denn ohne Wasser gibt es keine Olive. So lernen meine Kinder von Ursprung (Anfang an?) an mit Wasser sehr sorgsam umgehen. Mir graut es ehrlicherweise, wenn ich sehe, wie Leute den Wasserhahn einfach durchlaufen lassen.

Wasser ist ein rares Gut.

Wasser ist ein rares Gut! Wir müssen sorgsam mit Wasser umgehen.

Was schätzt du besonders an Familienunternehmen?

Seit zehn Jahren leite ich den Betrieb gemeinsam mit meinem Papa. Das Schöne am Familienunternehmen ist, dass wir es gemeinschaftlich machen, umsetzen und verantworten. Meine eigenen Kinder wachsen schon da rein.

Ohne die 40 Jahre Erfahrung von meinem Vater kann ich nicht arbeiten.

Es ist sehr wichtig, dass man gemeinsam einen Übergang in der Nachfolge schafft, sonst geht die Erfahrung verloren. Ich kann neue Impulse schaffen und Ideen mitbringen, aber ohne die 40 Jahre Erfahrung von meinem Vater (gute Entscheidungen, Fehler et cetera) kann ich nicht arbeiten. Auf diesem Erfahrungsschatz baue ich auf. Spanien, vielmehr Andalusien ist ein anderes Land, eine andere Kultur!

Besonders ist auch die Zusammenarbeit mit den Menschen hier unten. Unser Verwalter auf Cortijo de Arévalo ist 55 Jahre alt. Er ist dort geboren. Sein Vater und sein Urgroßvater waren auch in diesem Betrieb. Das ist eine starke Verbundenheit! Er weiß alles, jede Kleinigkeit und kennte jede Ecke und ist mit dem Betrieb stark verwachsen.

Wo kommt eigentlich unser leckeres Olivenöl her, dass wir zu Brot, zum Kochen, ach einfach immer verwenden? Italien, Spanien oder doch Griechenland?

Größter Olivenöl Produzent ist Spanien, größter Verkäufer sind die Italiener. Die Griechen machen gutes Öl, produzieren aber nicht so viel. Nordafrika ebenfalls, aber auch, aber nicht so intensiv. Viel produziert wird auch in Portugal, da gibt es eine ähnliche Vegetation wie in Spanien. Unsere Heimat Jaén ist tatsächlich eins der weltgrößten Oliven Anbaugebiete. Hier gibt es Oliven soweit das Auge reicht!

Wann findet die Olivenernte statt?

Die Olivenernte findet einmal im Jahr statt. Immer bis zu drei Monate von Oktober bis Februar.

Frauen in der Landwirtschaft. Mauritias Olivenöl Gut Cortijo dé Arevalo

Man liest viele Horror-Stories über ranziges oder gar gefälschtes Olivenöl. Was sind die Qualitätsmerkmale?

Olivenöl und Olivenöl sind unterschiedlich.

Das fängt beim Anbau an:

  • Wo steht der Baum.
  • Was macht der Baum.
  • Was für Dünger wird verwendet.
  • Wie wird der Olivenbaum gepflegt (er muss zum Beispiel einmal im Jahr geschnitten werden).

Geht über die Ernte:

  • Wann wird geerntet
  • Wie wird geerntet

Bis hin zur Verarbeitung:

  • Mit welchem Verfahren wird das Öl gewonnen.
  • Wie werden die Oliven gepresst. Öle dürfen nicht zu sehr gepresst und zu sehr erwärmt werden, dann gehen Vitamine weg und die ungesättigte Fettsäuren und die Antioxidantien.

Es ist gut zu wissen, wo das Olivenöl herkommt, dass man verwendet. Öl ist einfach wahnsinnig gesund, wenn es eine gute Qualität hat. Am besten ist es, zum Erzeuger zurück zu gehen.

Die Spanier essen kaum Butter und verzehren schon zum Frühstück Öl. Dann gibt es getostetes Brot mit Öl und pürierten Tomaten. In Andalusien ist das ganz normal, das so genannte Desayuno Andaluz.

Mein Tipp: Gut und gesund ist es, jeden Morgen einen Löffel pures Öl zu essen. Das beruhigt den Magen.

Anmerk. der Redaktion: Hier könnt ihr Mauritias eigenes Olivenöl „Baronesa de Ulm“ aus Andalusien bestellen – in hübschen Flaschen mit selbstgebunden Schleifen.

Olivenöl Baronesa de Ulm

Woran erkenne ich gutes Öl?

Die ausgezeichnete Qualität kann nur ein extra natives Olivenöl sein. Je früher Öl geerntet wurde, desto intensiver und desto pikanter ist der Geschmack. Du kannst ein gutes Olivenöl am Geruch, an der Konsistenz und an der Farbe erkennen.

Geruch: Das Öl muss riechen.

Konsistenz: Das Öl darf nicht zu flüssig sein.

Farbe: Das Öl muss eine Farbe haben, darf aber nicht zu gelb sein. Ein klares Qualitätsmerkmal ist die Grünschattierung, aber nicht zu gelb!

Eine letzte Frage: Was ist besser? Deutschland oder die Hitze Spaniens?

Es ist schön, beides zu haben. So schätzt man jedes für sich mehr. In der Maxvorstadt haben wir schöne Cafés, Läden, das pulsierende Leben. Hier bin ich glücklich, aber es ist auch schnelllebig. Auf unserem Gut in Andalusien bin ich froh über Ruhe und Frieden. Das ist eine ganz ruhige Art! Alles ist ganz pur. Dennoch könnte ich dort nicht fest leben.

Ich bin glücklich in Deutschland zu leben mit dem tollen Bildungssystem, den modernen Krankenhäusern und ich liebe es in meiner wunderschönen Muttersprache zu sprechen.

 

Hautpflege Olivenöl

Zwei super Tricks mit Olivenöl für Haut und Haare

Olivenöl ist nicht nur gesund und lecker, sondern pflegt auch unsere Haut und Haare. Ein Beauty-Allrounder und immer in der Küche griffbereit. Hier sind zwei exklusive Beauty-Tipps für euch aus Andalusien. Beide von Mauritia ausgiebig getestet und für gut befunden:

1. Keine trockenen Hände im Winter

Ein klassisches Mama-Problem im Winter sind trockene Hände. Hier hat Mauritia den ultimativen, einfach umsetzbaren Pflegetipp für euch. Perfekt umsetzbar beim gemütlichen Fernsehabend zum zweistündigen Film, so lange soll die Hautpflege einwirken.

So geht es: Eine gute Menge Olivenöl auf die Hände und Finger geben und schön einmassieren, vor allem an den trockenen Hautstellen. Nichts abwischen! Baumwollehandschuh (zum Beispiel bei Rossmann für 1,79 Euro erhältlich) drüber ziehen, lange einwirken lassen und entspannen. Öl braucht seine Zeit einzuziehen. Tipp: Über Nacht einziehen lassen und am nächsten Morgen mit zarten, weichen Händen aufwachen.

2. Olivenöl macht die Haare schön! So wird sprödes Haar weich und glänzend

Viele Spanier haben dicke, glänzende Haare. In Andalusien ist es traditionell, die Haare mit Olivenöl zu pflegen. Aber Achtung: Diese natürliche Haarpflege hört sich komisch an, riecht nicht nach Perfume und ist ölig. Aber: Es wirkt super!

Rezeptur für mittellange Haare: Zwei Esslöffel Öl, ein Eigelb (nicht Eiweiß) und ein wenig Zitrone mischen. Die Mixtur in das ungewaschene, trockene Haar geben, einfach ein Handtuch drauf, eine halbe Stunde lang einziehen lassen und anschließend ganz normal mit Shampoo auswaschen. Das ist wie einbalsamieren!

 

Baronesa de Ulm // Gut Cortijo de Arévalo der Freiherrn von Ulm-Erbach in Andalusien // Mauritia Freifrau von Um- Erbach // Mail info@baronesa-de-ulm.com // WEB // Shop // Rezepte und Öl Wissen

 

Bildmaterial: http://www.baronesa-de-ulm.com/