Cappu Talk: Natalie Bendit, Gründerin von Zuckertag

Es ist wieder an der Zeit für einen Cappu Talk! Diesmal bin ich im Gespräch mit Natalie Bendit (32), Mama eines kleinen Jungen, wohnhaft mit ihrer Familie in München und Gründerin vom Zuckertag. Erst letztes Jahr hat sie ihre Wohlfühloase für Mutter und Kind in München eröffnet, die jetzt schon ein beliebter Treffpunkt für Mütter ist. An dieser Stelle habe ich darüber berichtet. Die Idee ist großartig, der Ort richtig schön und mich hat es lange interessiert, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Heute habe ich Natalie auf einen Cappu getroffen und wir haben so nett gequatscht, dass wir fast das Interview vergessen hätten! Ein paar Fragen konnte ich dann aber doch noch stellen. Et voilá:

1. Liebe Natalie, Dein Zuckertag ist nun ein halbes Jahr alt. Wie kamst Du darauf, neben dem Mamadasein „mal eben“ eine Wohlfühloase für Mutter und Kind zu gründen?

Anfangs war ich selber viel in Cafés und habe an allen Babykursen teilgenommen die man besuchen kann – ich wäre die perfekte Leserin für Cappu Mum gewesen! Die Ideen kamen Stück für Stück. Ich habe überlegt, was fehlt, wo wäre Bedarf und viele Mamas befragt. Die Hauptmotivation war auf jeden Fall meine Kündigung bei My Sports Lady, nur wenige Monate nach Nics Geburt, wo ich bis dahin als angestellte Geschäftsführerin tätig war.

2. Hättest Du Dich denn nicht in einem anderen Unternehmen auf eine ähnliche Position bewerben können?

Natürlich, aber das Problem kennen sicher die meisten Mamas, die nach der Geburt nicht in ihren alten Job zurückkehren können. Wer stellt eine Mutter für so eine Position ein, in Teilzeit, bei angemessener Bezahlung. Die meisten Jobs in dem Bereich sind Vollzeitjobs. Unter meine Qualifikation gehen wollte ich auch nicht, also habe ich überlegt, etwas Eigenes zu machen.

3. Ging das ruckzuck, nachdem der Businessplan stand, oder musstest Du Dich dann weiteren Herausforderungen stellen?

Es hat alleine eineinhalb Jahre gedauert, einen passenden Raum zu finden, das war eine große Herausforderung. Die Mieten sind sehr hoch und es findet sich kaum ein Vermieter für eine Idee mit Kindern. Man muss sich um ein Darlehen kümmern, die Versicherungen… Ich würde sagen von der Idee bis zur Gründung hat es schon über zwei Jahre gedauert.

4. Hut ab! Das ist mutig!

Ein Freund hat mich mal gefragt „Und was ist, wenn keiner kommt“? Darauf habe ich geantwortet „Das wäre s…“! Und gedacht habe ich „dann schnappe ich alles was ich habe und flüchte mit meiner Familie in die Karibik“. (lacht)

5. Und, kam jemand?

Die ersten Monate kamen teilweise drei Leute, das geht viel über Mundpropaganda und die Gäste müssen auch erst einmal Vertrauen fassen. Bis Dezember war es leicht ansteigend und dann kam der Umschwung. Am 1.1. haben wir noch wild renoviert, gestrichen, alles aufgeräumt und als ich am 2.1. um 9.30 Uhr den Laden aufschließen wollte, standen auf einmal 30 Leute vor der Tür – wow! Das ging seither so weiter.

6. Das klingt ja nach einer richtigen Erfolgs-Story! Erzählst Du uns, wie Du den Spagat zwischen Mamasein und Unternehmerin schaffst?

Das ist mein Hauptthema, vor allem vom Gefühlsleben! Wie vermutlich bei den meisten arbeitenden Mamas. Mein Freund arbeitet in Vollzeit und wenn jemand im Zuckertag ausfällt, frage ich mich, ob ich das selbst stemmen kann und wenn, was dann mit Nic ist. Er geht täglich bis drei in die KITA, sonst wäre das gar nicht möglich und wir haben zum Glück beide Omas in München. Mein Team im Zuckertag ist auch super. Wir sind mit mir 10 Mitarbeiter. Sechs davon machen alles, von der Rezeption, übers Café bis zum Kindergeburtstag. Vier Mitarbeiterinnen sind fix für die Kinderbetreuung eingestellt, ein Stundenplan hängt aus, damit die Mamas genau schauen können, wann die Betreuerinnen, die ihre Kinder kennen und bei denen sie sich wohl fühlen, da sind.

Wir sind eigentlich ein Familienbetrieb! Claudia ist meine Freundin, auch Mama, und war von Anfang an dabei. Sie ist meine rechte Hand, eine tolle Stütze. Und auch Alex, zweifache Mama, unsere Koch- und Backfee, kenne ich noch aus dem BWL-Studium. Sie hat vorher eine Bio-Gastronomie geleitet. Wenn es um Events geht, sitzt das gesamte Team zusammen, wir brainstormen und hecken Ideen aus. Unsere Kindergeburtstage hier entstehen auf diese Weise, da gehen wir individuell auf alle Wünsche der Eltern ein, seien es Prinzessinen-Muffins, Clowns und Luftschlangenmodellage oder der klassische Geburtstag mit Würstchen, Topfschlagen und einer Reise nach Jerusalem.

Riesen Vorteil an der Selbstständigkeit: Wenn etwas ist, kann ich entscheiden, ob ich daheim bleibe. Ich muss niemandem Rechenschaft ablegen, niemand schaut mich komisch an, wenn ich dann bei meinem Kind bleibe!

7. Deine Idee geht auf, Zuckertag ist bekannt und beliebt – das in nur einem halben Jahr! Gibt es bereits Nachahmer?

Ich werde oft von Mamas und auch von Firmen gefragt, ob man Zuckertag auch in einer anderen Stadt eröffnen könnte. Das ist natürlich schön zu hören! Jetzt schreiben wir gerade mit Experten Franchise-Handbücher, mit Lizenzvereinbarungen und allem was dazugehört. Bald wird es dazu einen Themenabend für Interessierte geben.

8. Was hat es eigentlich mit den 10er-Karten auf sich? Ist Zuckertag eine Art Soho House für Babys?

Nein (lacht)! Der Auslöser war ein Reisebus, voll mit Mamis, aus Augsburg. Da ging es im Zuckertag zu wie auf der Wiesn! Um den Andrang zu stoppen und den Eltern mit ihren Kindern eine entspannte Zeit und keine Bierzeltatmosphäre bieten zu können, haben wir auf 10er-Karten umgestellt. Mittlerweile sind auch die Hälfte Mitgliedschaften! Die 10er-Karten sind das Spielgeld, personalisiert auf den Namen der Mutter und der dazugehörigen Kindern, nicht übertragbar, aber auch unbegrenzt gültig. Pro Kind wird ein Punkt abgestempelt, die Mamas zahlen natürlich kein Spielgeld. Das Spielgeld ist 90 % für die Reinigung und für neues Spielzeug. Jeden Abend wird hier sechs Stunden gereinigt und jedes Spielzeug einzeln geputzt. Das ist mir unheimlich wichtig und so kommen die Familien immer gerne wieder. Vorher waren teilweise 50 Eltern im Café und doppelt so viele Kinder im Spielzimmer, da ist es fast unmöglich alles ordentlich zu halten.

9. Das ist gut nachvollziehbar! Wie geht es denn nun weiter? Worauf dürfen wir uns bei Zuckertag freuen?

Schön, dass Du das fragst! Ich freue mich schon sehr auf unseren Garten! Thema ist „Villa Kunterbunt“, im Stil von Pippi Langstrumpf, mit Liegestühlen, Hollywoodschaukeln, Mini-Villa, Sandkasten, Rutsche, Bobby Car-Rennstrecke und Plantschbecken. Natürlich ist alles komplett abgesperrt und die Mamas können sich entspannt zurücklegen. Wir haben Kurse draußen geplant, ein Kräuterbeet und Kinderbetreuung im Freien – diese auf jeden Fall auch wochenweise in der Ferienzeit.

10. Das klingt ja toll. Und, verrätst Du uns abschließend noch Deine  

Ein bisschen weniger Arbeit, mehr Zeit für meine Familie und Zeit für die Zuckertag-Planung!

Liebe Natalie, 1000 Dank für den netten „Kaffeeklatsch“ und das tolle Interview!

Anbei findet ihr ein paar Impressionen aus Natalies Zuckertag, den Artikel findet ihr hier.

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